Turmwächterführung

Fünf-Knopf-Turm

An einem Samstagabend trafen sich zahlreiche Mitglieder vor dem Fünf-Knopf-Turm. Nach Einbruch der Dunkelheit nahm Turmwächter Frank Messerschmidt uns mit auf seinem Weg durch die Stadt. Am Fünf-Knopf-Turm erfuhren wir einiges über die äußere Stadtmauer und den westlichen Stadteingang, der von diesem Turm gesichert wurde.

Weiter ging es durchs Pfeifergäßle, so benannt, weil dort einst die Musiker – die Pfeifer und Trommler – ihr Quartier hatten, vorbei am Neubau der Untermarchtaler Vinzentinerinnen, in die Bocksgasse und hinüber zum Münster. Wir erfuhren, dass anfangs unbekannte Baumeister 10 Jahre lang am Westportal gearbeitet hatten. Weil diese jedoch zu langsam waren, wurden sie durch die in Köln am Dombau abgeworbenen Parler ersetzt. Diese errichteten in „nur“ weiteren 60 Jahren den kompletten übrigen Bau. Noch heute kann man, wenn man genau hinschaut, auf der Nordseite die Markierung erkennen, die die Parler gesetzt haben, um den Anfang ihrer Arbeit zu kennzeichnen. Auch ist das erste Fenster am Westportal etwas schmaler als die übrigen, weil vor den Parlern entstanden.

An der Einmündung des Sonnengässle in die Bocksgasse erfuhren wir die Geschichte vom einzigen verbürgten katholischen Pferd, das seine Knie vor Pfarrer und Christus gebeugt hat, obwohl sein Reiter die Gläubigen zuvor von ihrem Glauben abbringen wollte und sie verspottet hatte. Und auf dem Marktplatz schließlich erzählte uns Frank Messerschmidt, dass es auch auf dem Johannisturm Turmwächter gab. Zuletzt, in den 1930er Jahren, wurde dieser Dienst durch eine Frau versehen, die Witwe des letzten männlichen Turmwächters.

Die letzte Station des Abends war schließlich vor der städtischen Musikschule, dem alten Schwörhaus. Auch darüber erfuhren wir so manche uns unbekannte Geschichte. Gänzlich neu war jedoch, dass auch dieser Bau eines der vielen mittelalterlichen Gefängnisse birgt, die es seinerzeit in Gmünd gab. Wer jedoch genau wissen möchte, wo es ist, und vielleicht - so wie wir - einen Blick hineinwerfen möchte, wer all die hier nur angedeuteten, mit viel Mühe im Stadtarchiv recherchierten Geschichten über Not und Elend, Reichtum und Armut, Kriege, Monarchen, Pest und Feuersbrünste hören möchte, sollte unbedingt an einer Turmwächterführung durch Schwäbisch Gmünd teilnehmen.