Der AGV 1958 geht zur Schule

Schulmuseum

Am Abend des 22. Juli 2010 passierte es, dass sich eine Gruppe von über 50-jährigen in alten, für sie viel zu engen Schulbänken niederließ, und das auch noch freiwillig. Natürlich geht es um unseren Besuch im Schulmuseum, das seit einiger Zeit im Heubacher Schloß untergebracht ist. Gerda Fetzer begrüsste uns zu einer Schulstunde im ehemaligen "Rittersaal", obwohl die früheren Herren nie Ritter waren, sondern nur von niederem Adel.

Sie gab uns interessante Informationen zum Werdegang der Sammlung und ihrer öffentlichen Darstellung, bevor es dann richtig "zur Sache" ging, nachdem die letzten Nachzügler eingetroffen waren. Diese bekamen übrigens gleich einen Eindruck davon, was vor hundert Jahren mit Schülern passierte, die zu spät zum Unterricht kamen. Wir erfuhren, wie die Kinder schreiben und rechnen lernten, dass Heimatkunde sich wirklich hautnah (in Form von selbst gesammelten Anschauungsobjekten und wunderschönen Wandbildern), aber eben auch sehr theoretisch (indem man viele "Reisen" machte, die aber wegen der herrschenden Armut stets nur mit dem Finger auf der Landkarte stattfanden) darstellte. Wir erfuhren auch, dass Lehrerinnen seinerzeit grundsätzlich "Fräulein" sein mussten, also unverheiratet zu sein hatten. Einfachste Materialien, wie Schiefertafeln, Griffel, stabile Lederranzen und -taschen, die viele Jahre lang immer wieder geflickt und umgearbeitet wurden, erfüllten ihren Zweck. Man lernte intensiver, durch häufiges Wiederholen, aber auch viel strenger als heute.

Aus der einen geplanten Stunde wurden sehr schnell deren zwei, weil Gerda Fetzer es versteht, die Minuten nur so verfliegen zu lassen. Sie sprüht vor Wissen, hat auf jede Frage eine Antwort und es bestätigt sich, was man durch die vielen Artikel in der Presse in den letzten Jahren schon vermutet hatte - sie lebt für "ihr" Schulmuseum, das ihr eine Herzensangelegenheit ist.

Es bleibt zu hoffen, dass die Odyssee der Einrichtung nach unzähligen Verschiebungen und Vertröstungen in der Vergangenheit in nicht allzu ferner Zukunft ein gutes Ende findet. Obwohl man ganz deutlich sagen muss, dass der momentane Ort in Heubach ganz anders wirkt als ein vorübergehendes Provisorium. Wir waren jedenfalls begeistert und können nur empfehlen, sich dort umzuschauen und eine "Schulstunde" mitzumachen.