Jahresausflug 2011 vom 23. - 25. September

Diesmal blieben wir im Ländle, wo es noch immer so viel Interessantes und Schönes zu entdecken gibt.

Wir fuhren bei traumhaftem Spätsommerwetter in den Schwarzwald und bezogen Quartier mitten in Wolfach im Hotel Kreuz. Dort nahmen wir auch unser Abendessen ein.

 

Am Samstag ging es gegen 9 Uhr mit dem Bus nach Waldkirch, wo wir auf den Berg marschierten, um den Baumkronenweg zu begehen. Wir bewältigten zunächst den Abenteuerpfad mit den unterschiedlichsten Hängebrücken.

Anschließend liefen wir die 200 Meter auf dem eigentlichen Baumkronenpfad zur höchsten Aussichtsplattform in 23,6 Metern Höhe über dem Waldboden. Belohnt wurden wir mit herrlicher Luft und einem tollen Ausblick über das Tal.

Zurück ging es dann zumindest auf einem Teil der Strecke in zwei getrennten Gruppen. Während ein Teil der Altersgenossen und Altersgenossinnen gemütlich zu Tal schritt, wagten die meisten den "Abstieg" durch Europas längste Röhrenrutsche. Im rasanten Tempo wurden die 190m überwunden, und am Ziel gab es nur strahlende Gesichter.

Zurück am Bus nahmen wir die kurze Etappe zu unserem zweiten Tagesziel, den Vogtsbauernhöfen in Gutach, in Angriff. Hierbei handelt es sich um insgesamt sechs Bauernhöfe, von denen fünf in verschiedenen Schwarzwaldregionen abgebaut und mit entsprechendem Aufwand auf einem herrlichen Gelände rund um den Vogtsbauernhof wieder aufgebaut wurden. In dieser Umgebung erlebten wir eine Führung unter dem Motto "Deutsch und Wasser". Im ersten Moment eigenartig wirkend, klärte sich das jedoch sehr schnell auf. Erfuhren wir doch im Teil "Deutsch" den Ursprung von zahlreichen Sprichwörtern und Redewendungen, die wir heute ganz selbstverständlich verwenden, jedoch meist ohne zu wissen, woher diese stammen. Und durch die Mühlen erfuhren wir, wie man sich die Kraft des Wassers zu Nutze machen kann.

Wer weiß schon noch, dass der Spruch "Spinne am Abend, erquickend und labend" eigentlich - ebenso wie dessen Abwandlungen - nicht von "Spinne" sondern vom "Spinnen" kommt? Nach einem langen, harten Arbeitstag war dies ein gutes Mittel zur Entspannung. Hatte die Bäuerin dagegen am Morgen Zeit zum spinnen, so nur deshalb, weil es - z.B. wegen einer Missernte - auf den Feldern nichts zu tun gab. Folgerichtig galt "Spinnen am Morgen bringt Kummer und Sorgen". Und ganz schlimm war "Spinnen bei Tag und bei Nacht hat bald den Tod gebracht", weil damit allein ein Überleben nicht möglich war. Ging es allen gut, so war jedoch das Spinnen eine der wenigen Möglichkeiten, wo sich die älteren Buben und Mädel näher kommen konnten, denn das Einlegen der Fasern ins Spinnrad war so kompliziert, dass man dabei Hilfe brauchte und sich die Hände immer wieder berührten. Dieser Vorgang hieß - anbandeln!

Und wenn es allen gut ging, dann wurden natürlich auch die Kinder viel eher zur Schule geschickt. Besonders stolz war man auf die, die "etwas auf dem Kasten" hatten, wenn also der Lehrer eine Mitteilung an die Eltern auf den Holzkasten geschrieben hatte, den die Kinder anstatt eines Ranzens trugen. Auf den Kasten kamen nur - für alle sichtbar - die positiven Mitteilungen, daher der heute noch gebräuchliche Ausdruck für besonders intelligente Menschen.

Die erste wasserbetriebene Maschine, die wir anschauten und in Betrieb bestaunen durften, war eine Klopf- und Plotzsäge aus dem Jahr 1673. Mit dieser konnten - und können bis heute - bis zu 6m lange Baumstämme zu Brettern gesägt werden. "Klopf" entsteht durch das Hochschlagen des Sägerahmens, das drei Mal pro Radumdrehung erfolgt. Und "Plotzen" tut er natürlich bei jeder Abwärtsbewegung. Übrigens spricht man bei den Mühlenantrieben von "unterschlächtig" und "oberschlächtig" je nachdem, ob das Wasser unten oder oben aufs Mühlrad trifft. Die oberschlächtige Bauweise ist wesentlich effizienter, aber auch aufwändiger und damit teurer. Wenn es sich also jemand leisten konnte, seinen Wasserantrieb oberschlächtig zu bauen, so sagte man anerkennend (oder vielleicht auch ein wenig neidisch) "Der hat Oberwasser".

Noch viele interessante Informationen bekamen wir sowohl zu den Bauten als auch zur deutschen Sprache. Einige Beispiele gefällig? Die "Schwellenangst" hatten junge Mädchen, die verheiratet wurden und zum ersten Mal den Bauernhof betraten, auf dem sie zukünftig leben sollten. "Unter aller Sau" hat nichts mit Schweinen zu tun, sondern mit dem jiddischen Längenmaß "Seo", denn alles was kürzer war, verdiente beim Handel keine Beachtung, war also unnütz und schlecht. "Eigenbrötler" wohnten ganz weit am Ende des Tals und waren deshalb gezwungen, ihr eigenes Brot zu backen. Und was unser Führer sonst noch alles wusste, das geht wirklich "auf keine Kuhhaut". Da kann man nur noch bewundernd sagen "Alter Schwede". Und wer wissen will, was hinter diesen beiden Sprichwörtern steckt, der muss entweder "unsere" Führung mitmachen oder im WWW suchen.

Am Sonntag verließen wir Wolfach und fuhren weiter nach Alpirsbach. Dort erfuhren wir mit "sehr charmant Accent" eine Menge über das ehemalige Benediktinerkloster von unserer Führerin Catherine, einer Französin.

Dieses wurde bereits im 11. Jahrhundert als eine Art Ableger der Benediktiner aus Cluny gegründet. Bis ins 16. Jahrhundert lebten dort stets etwa 30 Mönche (Cluny: bis zu 1.500). Im Zuge der Reformation blieb ihnen aber nur die Wahl, evangelisch zu werden, oder das Land zu verlassen, was sie letztlich taten. Seither ist die Kirche ein evangelisches Gotteshaus und die Klosteranlagen wurden unterschiedlich genutzt, so auch als Lager des genau gegenüber liegenden "Alpirsbacher Klosterbräu".

Atemberaubend ist die erst 2008 neu erbaute Orgelskulptur, die frei in der Kirche zu schweben scheint. Diese konnten wir bei einem 15-minütigen Orgelspiel auch hören. Hierbei wurde die herrliche Akustik des gesamten Kirchenbaus noch einmal mehr als deutlich. Zahlreiche Konzertveranstaltungen sind die logische Konsequenz. Für solche Konzerte kann die gesamte Orgel von ihrem Platz an der Seite der Kirche auf Luftkissen in die Mitte des Hauptschiffs verschoben und zum Publikum hin gedreht werden.

Die Brauerei wurde zwar erst 1880 gegründet, also mehr als 300 Jahre, nachdem der letzte katholische Mönch im Kreuzgang Erleuchtung gesucht hatte. Aber "Klosterbräu" hat nun mal einen besonderen Klang, auch wenn die Alpirsbacher Mönche nachweislich hauptsächlich Weintrinker gewesen sind und nur relativ selten Bier gebraut haben.

Auf einer Führung durch das alte Brauhaus erfuhren wir so manche Anekdote. So holte sich beispielsweise jeder Mitarbeiter 15 Minuten vor Beginn der Arbeit um 7 Uhr sein Tagesdeputat in Form von 6 Flaschen Bier. Die erste wurde noch vor Arbeitsbeginn getrunken, um auf "Betriebstemperatur" zu kommen, die zweite zum Vesper um 9 Uhr. Zwei Fläschchen waren der Trunk zur Mittagspause von 12 bis 13 Uhr, und die beiden letzten mussten für die restlichen 5 Arbeitsstunden reichen, bis um 18 Uhr Feierabend war. Und was trank die Familie?

Übrigens gibt es noch heute den Haustrunk, zumindest für die Mitarbeiter in der Produktion. Das sind 100 Liter Bier, die am Monatsanfang abgeholt werden können - kostenlos. Leider teilte uns unser Führer mit, dass es derzeit keine freien Arbeitsstellen gibt...

Reinheitsgebot

Nach wie vor wird das extrem weiche (Härtegrad 1-2) eigene Wasser verwendet, das aus 5 gefassten Quellen  stammt, um die insgesamt 17 verschiedenen Biere und Biermischgetränke herzustellen, die die Brauerei heute anbietet. Wir erfuhren, dass das Reinheitsgebot von 1516, erlassen durch Herzog Wilhelm IV von Bayern, nicht nur dazu diente, die Qualität des Bieres zu sichern, sondern auch dessen Preis festlegte. Außerdem sollte es verhindern, dass Getreidesorten, die eigentlich vor allem dem Brotbacken dienen, stattdessen zum brauen verwendet werden. Erst seit rund 200 Jahren ist es z.B. wieder erlaubt, auch Weizen zum brauen von Bier zu verwenden. Die Weizenbierliebhaber wissen es zu schätzen.

Alpirsbacher Biersorten

Eine weitere Besonderheit ist auch die einzige Bierpipeline der Welt. Sie führt über 980m vom alten Standort mitten in Alpirsbach zum Werk 2. Während im Stammwerk nach wie vor gebraut wird, erfolgen alle weiteren Schritte im neueren Firmenteil, und irgendwie muss das Bier ja schließlich dorthin gelangen. Allerdings fließt durch die Rohre nur die sogenannte Würze, d.h. der flüssige Teil der Maische. Erst durch den folgenden Gär- und Reifeprozess entsteht daraus Bier. Deshalb, so versicherte uns unser Führer durchaus glaubwürdig, gibt es über der Pipeline auch keine Häuser mit eigener Bierquelle.

Fachkundige Führung

Zum Abschluss kam dann der schmackhafteste Teil der Führung. Wir durften 2 der 17 Biersorten verkosten - leider (nur so wenig) oder Gott sei Dank (nicht mehr), je nach Sichtweise. Auf jeden Fall war das Fazit klar: es schmeckte ausgezeichnet.

Die Zeit bis zur Abfahrt des Busses verbrachten wir noch in Alpirsbach, ein Vesper, Kaffee und Kuchen oder einfach nur die Sonne genießend. Auf dem Heimweg wurde ein letztes Mal in Grossheppach im "Schäfergässle" Station gemacht, bevor wir kurz nach 21 Uhr wieder wohlbehalten in Schwäbisch Gmünd eintrafen.

Ein tolles Wochenende ging zu Ende. Bleibt nur noch ein herzliches "Danke" an unseren Manne für die Organisation und an unseren Fahrer Herbert, der uns sicher chauffiert hat.