Jahresausflug 2014

Die Pfalz - viel mehr als Wald, Saumagen und Wein.

Nach unserem etwas aufwendigeren 55er-Ausflug 2013 ließen wir es dieses Jahr etwas ruhiger angehen. Die Pfalz war unser Ziel, Heimat unseres Altersgenossen Rainer Nist, der zusammen mit seiner Frau Iris und unserem „Chef“ Uli Köhler ein entspanntes, aber immer interessantes Programm zusammengestellt hatte. Fast die Hälfte der Vereinsmitglieder war diesmal dabei.

Nach einer durch lange Staus verzögerten Anfahrt übernahmen wir unsere Quartiere im Hotel Südpfalz Terrassen in Gleiszellen.

Kurze Zeit später ging es schon hinüber ins Elsass, wo wir in Altenstadt Flammkuchen im Au Cerf D'Or genossen.

Auch der Wein war sehr gut, so dass wir erst zu später Stunde ins Hotel zurückkehrten.

Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es auf die Burg Trifels, wo unsere Führerin Jeanne Triator uns bereits erwartete. Zuvor gab es jedoch im Burghof noch eine Begegnung mit einem amerikanischen Habicht und zwei Uhus.

Die meisten Mauern und Gebäude stammen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Sie wurden auf den Ruinen der im 11. Jahrhundert errichteten Burg gebaut. Dies geschah ohne genaue Kenntnis der ursprünglichen Anlage, so dass nur die Grundrisse gesichert sind, nicht aber die Höhe und das frühere Aussehen der Gebäude. Jedenfalls war der Standpunkt vorzüglich gewählt, bietet er doch einen weiten Blick ins umliegende Land.

Berühmt wurde der Trifles durch einen prominenten Gefangenen. Richard von England, genannt Löwenherz, war hier für rund ein Jahr inhaftiert (vielleicht aber auch nur 3 Wochen, ganz genau weiß man das nicht), bis das Lösegeld von 100.000 Mark in Silber bezahlt wurde. Was für uns zunächst nach einem stattlichen, aber noch nicht besonders hohen Betrag klingt, entsprach damals jedoch nicht weniger als rund 23 Tonnen Silber, und die wiederum sind heute deutlich über 10 Mio. Euro wert. Richard saß jedoch in keinem Verließ. Vielmehr wohnte er auf der Burg, durfte sich relativ frei bewegen und war vermutlich häufig mit Kaiser Heinrich VI. auf Reisen oder zur Jagd unterwegs, obwohl dieser ihn doch eigentlich gefangen hielt.

Neben vielen anderen sehenswerten Stücken beherbergt der Trifels auch Nachbildungen der Reichskleinodien, deren Originale sich in Wien befinden.

Pfälzer Saumagen
Pfälzer Saumagen

Am Nachmittag ging es nach Hauenstein, früher Standort von mehr Schuhfabriken als jeder andere Ort in Deutschland. Heute wird dort nicht mehr in Mengen produziert, und die meisten Fabriken sind komplett verschwunden. Ungarn, Rumänien, Vietnam usw. – aus diesen Ländern kommen heute die meisten Schuhe, die wir tragen. Immerhin gibt es dort aber noch die „Gläserne Schuhfabrik“ Josef Seibel, in der die Musterfertigung erfolgt. Diese kann besichtigt werden und bietet interessante Einblicke in die immer noch durch sehr viel Handarbeit geprägte Schuherstellung. Leider war Fotografieren dort nicht erlaubt, weshalb keine Bilder gezeigt werden können. Im Anschluss an die Besichtigung konnte in den zahlreich vorhandenen Outlets fleißig eingekauft werden.

Später gab es noch Gelegenheit zu einem Spaziergang auf dem Muskateller Rundwanderweg, bevor wir zum Abendessen vor Ort in Gleiszellen aufbrachen. Als Vorspeise gab es den berühmten „Pfälzer Saumagen“, und nach dem Hauptgericht nach Wahl erwartete uns eine ganz besondere Leckerei.

Einer der hundert besten Chocolatiers der Welt kredenzte uns Gaumenfreuden der besonderen Art unter dem Motto „Wein und Schokolade“. Angefangen mit „Thymianpraline mit Feigenessig“, die ein eigenwilliges Geschmackserlebnis verhieß, ging es über „Riesling-Passionsfruchtpraline mit Sekt“ schließlich zu „Sauerkirschpraline mit Rotwein“.

Man glaubt es kaum, wie interessant es war, diese scheinbar gegensätzlichen Geschmäcker zu kombinieren. Gleichzeitig ließ uns Herr Herzog ein wenig an seinem in Jahrzehnten erworbenen Wissen rund um das Thema Schokolade teilhaben und beantwortete geduldig die vielen Fragen. Selbstverständlich waren die vielen Pralinenpäckchen, die er dabei hatte, in kürzester Zeit von den Altersgenossen aufgekauft.

Am Sonntag ging es dann in mehreren Etappen wieder in Richtung Heimat. Erste Station war die Sektkellerei Schloß Wachenheim, wo uns mit Johannes Kraemer ein knorriges Original zu unserer Führung erwartete. Selbst seit 10 Jahren Rentner, führte er uns mit viel Witz, Charme, Pfälzer Dialekt und jahrzehntelanger eigener Berufserfahrung durch die bis zu 800 Jahre alten Keller.

Abfüllanlage, Betonfässer mit 80.000 Liter Fassungsvermögen, tiefe, uralte Keller, Lagerräume, Rüttelmaschinen und vieles mehr bekamen wir zu sehen.

Selbstverständlich wurde der Sekt auch probiert, und das gleich zwei Mal, und dabei wurde wieder einmal deutlich, dass sich deutscher Qualitätssekt keinesfalls hinter französischem Champagner verstecken muss.

Weiter ging es anschließend zum Hambacher Schloss, auf dem uns Maja Schmal in die Anfänge der deutschen Demokratie entführte.

Wer wüsste heute schon noch, dass das sogenannte „Hambacher Fest“ eine politische Veranstaltung mit 30.000 Teilnehmern war, die 1832 überhaupt nur deshalb stattfinden konnte, weil das gesamte Gelände seinerzeit in Privatbesitz war? Die gesamte Anlage wurde und wird seit etlichen Jahren um- und wieder aufgebaut und dient auch für Veranstaltungen und private Festlichkeiten.

Eine Ausstellung zeigt zahlreiche Zeugnisse aus der Zeit um 1832, inklusive der Schwarz-Rot-Goldenen Fahne, die beim Zug zum Schloss von Johann Philipp Abresch getragen wurde.

Großartig ist aber auch der weite Blick ins Land, der selbst bei wolkigem Wetter noch tief beeindruckt.

Die nächste Station war das Weinfest in Rhodt, wo in der Straußwirtschaft bei Traudel und Fritz Plätze für uns reserviert waren. Glücklicherweise lagen diese unter Dach, denn kurz nachdem wir Platz genommen hatten, öffnete der Himmel seine Schleusen mit Blitz und Donner. Dieses Wetter sollte uns auch auf dem weiteren Weg nach Haus mehr oder weniger begleiten. Nach einem letzten Zwischenstopp zum Abendessen in Flemlingen kamen wir um kurz nach 21 Uhr wieder in Gmünd an.

Ein ruhiges, dennoch vielfältiges und interessantes Wochenende ging zu Ende, hervorragend von Iris, Rainer und Uli organisiert. Bleibt zu hoffen, dass die außergewöhnlich große Teilnehmerzahl in Zukunft häufiger der Fall sein wird, denn unsere Ausflüge lohnen sich immer.