Jahresausflug 2016

Ein besonderer Ausflug bedeutet ein besonderes Ziel und eine besondere, also längere, Dauer. Zusätzlich hatten wir uns entschieden, dieses Jahr während der Pfingstferien unterwegs zu sein, so dass diejenigen, die außerhalb der Ferien nicht mit können, auch die Chance hatten, dabei zu sein.

Das Ziel war Belgien, unser Nachbar im Nordwesten. Früh um 6 ging es los, mit niemand anders als "unserem" bewährten Busfahrer Armin hinter dem Steuer. Nach einer eher ruhigen Fahrt mit wenigen Staus kamen wir sogar etwas zu früh an unserem ersten Zwischenziel Leuven (Löwen) an.

Nachdem unsere Führerin eingetroffen war, begann eine spannende und interessante Tour durch die wunderschöne Altstadt.

Den Mittelpunkt bildet der Grote Markt mit dem prachtvollen gotischen Rathaus und der Sint-Pieterskerk. Beide Gebäude haben keine Türme, weil der sandige Untergrund diese nicht getragen hätte. Während das Rathaus aber sechs kleine Türmchen bekommen hat, schlagen die Glocken der Kirche nur in einem Stumpf. Wie der Turm geplant war, kann man anhand eines Modells im Inneren nachvollziehen. 

Katholische Universität Leuven

Die Universität ist die älteste Hochschule des Landes und eine der ältesten in Europa. Sie hat einen ausgezeichneten Ruf und zieht Studierende aus der ganzen Welt an. Über die Stadt und in viele Gebäude verteilt, bietet sie ein umfassendes Angebot in Geistes- und Naturwissenschaften. Viele Studenten wohnen in Wohnheimen, den "Collegien", die ursprünglich von vermögenden Stiftern errichtet worden sind. Der bekannteste von ihnen war wohl Papst Hadrian VI, der in Leuven zum Priester geweiht wurde und anschließend Lehrer und Kanzler der Universität war.

Am Schluss verbrachten wir noch etwas Zeit im wunderschönen botanischen Garten der Universität, bevor es dann weiter ging nach Aalst in unser Hotel. Dort bezogen wir unsere Zimmer, bevor es dann zum leckeren Abendessen in ein marokkanisches Restaurant, das Walili, ging.

Brügge

Am Donnerstag ging es nach dem Frühstück nach Brügge. Dort erlebten wir erneut eine Stadtführung, diesmal mit Monika, die mit den Attributen "klein, energisch, voller Energie, ungeheuer wissend" nur unvollkommen beschrieben ist. Trotz ihrer schon 76 Jahre hatte sie uns fest im Griff und scheute sich nicht, Unaufmerksame unter uns zur Ordnug zu rufen, indem sie immer wieder unser Wissen "prüfte".

Über die Stadt ist schon unendlich viel geschrieben worden, und wir erfuhren noch so viel mehr. Brügges Wohlstand resultierte aus dem Hafen, der an einem Meeresarm lag, den es heute nicht mehr gibt. Er verlandete bis Mitte des 15. Jahrhunderts vollständig, und die Waren suchten sich einen neuen Hafen, aus dem Antwerpen empor wuchs.

Bei unserem Rundgang besichtigten wir auch die Liebfrauenkirche aus dem 13. Jahrhundert. Vor dem Altar liegt der Burgunderherzog Karl der Kühne begraben. Berühmt ist die Kirche jedoch vor allem wegen der "Madonna mit Kind", handelt es sich doch dabei um eines der ganz wenigen Kunstwerke von Michelangelo, die außerhalb Italiens ihre Heimat gefunden haben.

Ein wunderbarer Abschluss der Führung war eine halbstündige Fahrt durch die Grachten.

Die restliche Zeit des Tages verbrachten wir individuell. Bummeln in der Stadt, den Belfried erklimmen, belgische Fritten futtern, einkaufen (vor allem Schokolade) - viele Möglichkeiten lockten.

Ein Belfried findet sich in vielen Städten Belgiens und Nordfrankreichs. Es handelt sich dabei um Stadttürme, die entweder Teil des Rathauses sind oder in nächster Nähe stehen. Sie dienten als Ausweis der Macht, als weltliches Gegengewicht zu den Kirchtürmen, aber auch als Schatzkammer, Archiv oder als Amtsräume für den Bürgermeister und den Rat der Stadt.

 

Küste und Aalst

Freitag ging es mit dem Bus an die Küste. De Haan, Oostende, Knokke-Heist sind die Namen bekannter belgischer Küstenstädte. Insbesondere Knokke-Heist ist über die Jahrzehnte zu einem mondänen Badeort geworden. Unser heutiger Reiseführer Christos, Belgier mit griechischen Eltern, wusste viele Details zu berichten. Selbst überzeugen konnten wir uns vom herrlichen, kilometerlangen Sandstrand in Knokke, dessen Kehrseite man buchstäblich sieht, wenn man sich umdreht. Soweit das Auge reicht, ziehen sich Hochhäuser mit Appartements nur wenige hundert Meter vom Meer entfernt die Küste entlang.

 

Am Nachmittag schauten wir uns dann das Städtchen an, in dem unser Hotel steht. Aalst bietet, wie so viele andere Orte in Belgien, eine wunderschöne Altstadt mit vielen Bauten aus dem Mittelalter. Der Grote Markt ist der Mittelpunkt, der vom Schepenhuis aus dem Jahr 1225 dominiert wird, und das dem Rat der Stadt für seine Sitzungen diente. Natürlich gibt es einen Belfried, weitere imposante Gebäude aus dem Mittelalter wie das alte Lagerhaus "Beurs van Amsterdam" und in der Mitte das Denkmal von Dirk Martens, der 1473 die erste Druckerei im Land gründete.

Beim weiteren Rundgang durch die Stadt lernten wir noch die Köstlichkeiten eines außergewöhnlichen, aber kaum bekannten Chocolatiers kennen, die buchstäblich auf der Zunge zergingen. Der letzte Höhepunkt des Tages war das Abendessen, bei dem wir unseren Altersgenossen Pit Biekert ein weiteres Mal hoch leben ließen, denn er feierte seinen Geburtstag.

Gent und Antwerpen

Am letzten Tag in Belgien waren wir mit Jan-Pieter unterwegs und besuchten zuerst Gent. Auch hier fanden wir wieder eine wundervoll erhaltene Altstadt mit Kirchen, Gebäuden, Türmen und viel Wasser vor, die wir ausgiebig erkundeten. 

Am Nachmittag ging es weiter nach Antwerpen. Viel gäbe es über die Stadt zu erzählen. Besonders beeindruckend war der drittgrößte Seehafen Europas aber genauso, wie die wundervollen Wohnviertel oder der Bahnhof, der nicht umsonst als "Eisenbahnkathedrale" gilt. Hier fand 2010 ein spektakulärer Flashmob statt.

Auf dem Rückweg nach Aalst machten wir noch einen kurzen Abstecher nach Brüssel, an einigen der Gebäude der Weltausstellungen vorbei hin zum Atomium, vor dem unsere Gruppenaufnahme entstand.

Heimfahrt

Am Sonntag machten wir uns nach dem Frühstück auf den langen Heimweg. Zum Mittagessen kehrten wir in Winningen an der Mosel ein. Als danach noch ein wenig Zeit war, ging es auf einen kleinen Verdauungsspaziergang hinunter zum Fluss. Dabei kamen wir am Geburtshaus eines der bedeutendsten Autopioniere Deutschlands vorbei. August Horch, der später die Horchwerke und dann die Audi AG gründete, erblickte hier 1868 das Licht der Welt.

 

Die weitere Heimfahrt verlief unspektakulär, auch wenn der Regen im Remstal außergewöhnlich stark wurde. Schockiert waren wir allerdings, als wir nur wenige hundert Meter nach der Ausfahrt Schwäbisch Gmünd West statt der Eutighofer Strasse einen reißenden Fluss vor uns sahen. Nichtsahnend waren auch wir in das schlimmste Hochwasser geraten, das Gmünd jemals erlebt hat. Doch wir hatten großes Glück und konnten nach einiger Zeit auf Umwegen zum Busbahnhof gelangen, von wo wir nach und nach von unseren Familien abgeholt wurden.

 

Es war ein außergewöhnlicher Ausflug, auf dem es sehr viel zu sehen gab, und er hatte ein unerwartetes, spektakuläres Ende. Mal sehen, ob wir es 2017 wieder etwas ruhiger angehen lassen, kürzer wird es ganz bestimmt.

Vielen Dank an Armin, unseren Chauffeur für den sicheren Transport, und an Uli für die gesamte Vorbereitung und Organisation der Reise.

Mitglieder können nach Anmeldung in hunderten von Bildern stöbern, und es werden noch weitere hinzukommen.