AGV - Was ist das?

Was ist ein Altersgenossenverein? Wozu dient er, was sind seine Ziele? Seit wann gibt es Altersgenossenvereine? Diese und ähnliche Fragen hört man immer wieder, besonders von „Auswärtigen“, wenn man erwähnt, dass man Mitglied in einem solchen Verein ist.

Zunächst einmal haben Altersgenossenvereine in Schwäbisch Gmünd mittlerweile über 150 Jahre (gesicherte) Tradition. In einer Zeitung aus dem Jahr 1863 wird ein Jahrgangsfest der 1813er erwähnt, d.h. es ging hier um ein Fest zum 50. Geburtstag. Später fing man an, ab dem 40. Geburtstag zu feiern. Ob das daran liegt, dass Schwaben ja mit 40 „gscheit“ werden – nun, das möge sich jede(r) selbst überlegen.

Jedenfalls ist es seit weit über 100 Jahren so, dass sich junge Menschen, die alle im gleichen Jahr geboren sind (und das ist die einzige Bedingung für die Aufnahme in einen AGV – eben das „passende“ Geburtsjahr) zu einem Verein zusammenschließen – eben einem „Altersgenossenverein“. Dies geschieht typischerweise so um den 30. Geburtstag herum, damit auch genügend Zeit bleibt, sich kennenzulernen und das erste große Fest zum 40er vorzubereiten. Denn Hauptziel eines AGV ist und bleibt die gemeinsame Feier aller runden Geburtstage ab dem 40er bis zum 80er. Aber natürlich kommen auch sonst die Geselligkeit und der Spaß nicht zu kurz.

Viele Dinge haben Tradition. Dazu gehören regelmäßige Treffen in einem Lokal in Form des monatlichen „Stammtisches“ ebenso wie weitere Veranstaltungen während des Jahres, wie Besuche von Museen und Ausstellungen, ein Ferienstammtisch, Skiausfahrten, ein Jahresausflug und vieles mehr. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Nicht ganz unwichtig ist es auch, vor den Jahrgangsfesten die Kasse zu füllen, da diese Feste sehr teuer sind. Dies erklärt sich aus dem Aufwand, der meist getrieben wird (genau – wieder die Tradition!).

Das Ganze startet üblicherweise mit einem „Begrüßungsabend“, der mit einem Gottesdienst in der Augustinuskirche beginnt und anschliessend mit einem Abendessen und einem gemütlichen Beisammensein fortgesetzt wird. Dieser findet bei manchen Vereinen Donnerstags, bei anderen Freitags statt.

Am frühen Samstag Morgen ist dann Wecken – mit Böllerschüssen vom Lindenfirst, dem Aussichtspunkt nördlich der Stadt. Nach einem Sektfrühstück am Sebaldplatz zieht die Karawane – der Festumzug – ab 8:30 durch die Innenstadt von Schwäbisch Gmünd. Weitere Traditionen kommen hier zum Vorschein: die Damen sind in festliche Kleider gehüllt, während es für die Herren Ehrensache ist, sich in einen Frack zu schwingen und einen Zylinder zu tragen. Der Umzug geht durch ein Spalier von Menschen, die ihre Verwandten und Freunde im Festzug mit Blumen und Geschenken bedenken. Auf dem Marktplatz, vor der Johanniskirche, stoppt der Zug, um den Turmbläsern zu lauschen und den „Alois“ zu singen, der so etwas wie die Nationalhymne der AGVler und auch der Stadt Schwäbisch Gmünd ist. Nach dem anschließenden Gottesdienst im Münster bewegt sich der Umzug ein zweites Mal durch die gesamte Stadt, bevor die Altersgenossen sich dann zum gemeinsamen Mittagessen versammeln.

Am Samstag Abend folgt dann der große Ball, typischerweise im Kongresszentrum Stadtgarten, mit Verwandten, Freunden und Bekannten. Den Abschluss des Festwochenendes bildet meist eine Blaufahrt am Montag.

Wie schon erwähnt, machen immer die 40er den Auftakt zu den Jahrgangsfesten, und dies in jedem Jahr am 2. Wochenende im Monat Juni, zeitgleich mit dem Schwäbisch Gmünder Stadtfest. Es lohnt sich, gerade dann nach Schwäbisch Gmünd zu kommen, denn auch wenn mittlerweile immer mehr Altersgenossenvereine in den Ortschaften im Umland gegründet werden, so sind die Gmünder Vereine die größten, und die Gmünder Jahrgangsfeste dadurch eben auch etwas ganz Besonderes.

Im Jahr 2000 hat sich ein Dachverband der Gmünder AGVe gebildet. Dieser leistet u.a. Hilfestellung bei der Gründung neuer Altersgenossenvereine, denn es gibt viel zu beachten, und viel, was man falsch machen kann. Er versteht sich auch als Gesprächspartner der Stadt Schwäbisch Gmünd im Sinne einer Interessenvertretung der Vereine. Trotz all dieser Aktivitäten bleibt festzustellen, dass die Mitgliederzahlen neuer Vereine nicht mehr an diejenigen der „alten“ Jahrgänge herankommen. Waren in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts 40er-Feste mit weit über 100 Teilnehmern etwas völlig normales, so wird diese Zahl heutzutage nicht mehr erreicht, geschweige denn überschritten.

Trotzdem – oder gerade deshalb: ein Altersgenossenverein ist etwas Besonderes, eben weil er kein „normaler“ Verein ist. Aus meiner ganz persönlichen Erfahrung kann ich jeder/jedem nur raten, sich den „passenden“ AGV mal anzuschauen. Geht einfach mal zum Stammtisch, es lohnt sich. Die Daten, zumindest von vielen Vereinen, findet man beispielsweise im Internet. Unsere Linksammlung kann dafür ein Ausgangspunkt sein.

Und wenn Ihr den für Euch passenden Verein gefunden habt, oder vielleicht sogar aktiv an seiner Gründung beteiligt sein wollt, dann könnt auch Ihr eines Tages an einem Samstag im Juni beim 40er-Fest den „Alois“ singen, gemeinsam mit Euren Vereinskolleg(inn)en.

In diesem Sinne ein herzliches

Grüß di Gott, Alois
Grüß di Gott, Alois
Grüß di Gott, Grüß di Gott, Grüß di Gott, Alois
Grüß di Gott, Grüß di Gott, Alois, Alois

Zahl a Mass, Alois
Zahl a Mass, Alois
Zahl a Mass, Zahl a Mass, Zahl a Mass, Alois
Zahl a Mass, Zahl a Mass, Alois, Alois

Wenn kois zahlsch, Alois
Wenn kois zahlsch, Alois
Wenn kois zahlsch, wenn kois zahlsch, wenn kois zahlsch, Alois
Wenn kois zahlsch, lecksch me am Arsch, Alois, Alois!